
Quelle: KNA Dieter Mayr
FREISING. Am 8. April findet der „Roma Day“ statt – ein internationaler Gedenk- und Aktionstag, der auf die Geschichte, Kultur und die Rechte der Sinti und Roma aufmerksam macht. „Dieser Tag ist eine wichtige Gelegenheit, um Vorurteile abzubauen und die Stimmen von Sinti und Roma sichtbar zu machen“, sagt Professor Thomas Schwartz, der Leiter des katholischen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis. Bei der diesjährigen Pfingstkampagne unter dem Motto „Voll der Würde. Menschen stärken im Osten Europas“ stehe deshalb die Volksgruppe der Roma im Fokus.
Insbesondere in Rumänien, der Slowakei, Ungarn, Bulgarien und Tschechien fördert Renovabis seit vielen Jahren Hilfsprojekte, um die Situation der Roma-Minderheit zu verbessern. Denn, so Hauptgeschäftsführer Schwartz, die Roma sind die „Hauptverlierer der osteuropäischen Transformationsprozesse nach dem Ende des Kommunismus.“ Viele der von Renovabis geförderten Projekte unterstützen deshalb junge Menschen auf ihrem Bildungsweg und beim Übergang in den Beruf, als wichtige Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe und als Ausweg aus einem Teufelskreis sozialer Not. „Uns ist dabei für die Projektförderung wichtig, dass jede paternalistische Haltung überwunden wird und die Projektvorhaben ‚mit‘ und nicht ,für‘ die Roma-Minderheit durchgeführt werden“, erläutert der Renovabis-Leiter. „Auch in den Kirchen ist dies noch ein Lernprozess. Aber durch die zunehmende Beteiligung von Romnja und Roma an Planungen kann die Situation dauerhaft verbessert werden.“
Letztlich sei jedoch die Politik in den Ländern gefragt, um antiziganistischen Haltungen zu überwinden. „Dazu gehören das Lernen über Geschichte und Kultur der Roma, Bewusstseinsbildung und der Abbau von gegenseitigen Vorurteilen.“ Zudem plädiert Schwartz für einen Perspektivwechsel in den Partnerländern, aber auch in Deutschland: „Was sagt das über die Gesellschaften aus, wenn sie nicht genug gegen die Ausgrenzung der Roma-Minderheit und gegen die menschenunwürdigen Lebensbedingungen tun?“ Die Mehrheitsgesellschaften seien angesichts von vorherrschenden antiziganistischen Haltungen und sozialen Problemen in der Bringschuld.
Renovabis begrüßt in diesem Zusammenhang die Initiative der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, sich kritisch mit der Geschichte der katholischen Kirche auseinanderzusetzen und Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen. Am 29. und am 30. April findet dazu in Berlin ein Symposium statt über das Verhältnis der Katholischen Kirche in Deutschland zu den Sinti und Roma während des Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit.
Der internationale Gedenk- und Aktionstag „Roma Day“ erinnert an den Ersten World Romani Congress am 8. April 1971 in London, bei dem von Vertretern der Minderheiten aus der ganzen Welt zentrale Forderungen nach Gleichberechtigung und Anerkennung formuliert wurden.
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